ADHS Diagnose bei ErwachsenenHier findet Ihr eine Zusammenfassung der Bausteine für eine sorgfältige Diagnose bei Erwachsenen mit dem Verdacht auf ADS bzw. ADHS geeignete Stellen für eine Diagnose: - Psychiater
- Psychologen
- Psychotherapeuten
- Klinische Diagnosestellen(z.B. Uni Kliniken) und auch allgemein Ärzte mit einer Zusatzqualifikation für ADHS,
Ihr solltet Ihr Euch genau überlegen, am besten niederschreiben, warum Ihr diesen Weg geht. Das hat seinen Sinn, denn oft vergisst man in der angespannten Situation des ersten Gespräches wichtige Dinge.
Motivation / Beweggründe oder „Warum will ich mich diagnostizieren lassen?“
Neben der eigenen Unzufriedenheit, dem Gefühl des irgendwie anders sein, schon seit Kindheit an, sind es oft auch Hinweise nahe stehender Menschen ( Partner, Familie, Freunde ), die uns zur ADHS Diagnostik führen. Fragestellungen:Wie wichtig ist mir die Diagnose? Ungeheuer wichtig für Diagnostik und Therapie!
Welche Problematiken bestimmen mein Leben?
Beispiele:
- Probleme bei der Selbstorganisation
- Übermäßige Unordnung bis hin zu Messies
- Keine bzw. stark verzögerte Erledigung von routinemäßigen Alltagsaufgaben
- Unpünktlichkeit bzw. völliges Vergessen von Terminen
- Erledigung von Aufgaben immer erst in der letzten Minute und auf äußeren Druck
- Probleme, sich im gesellschaftlichen, beruflichen oder privaten Umfeld an Regeln zu halten
- Häufige Arbeitsplatzwechsel
Wie lange und wie stark beherrschen diese Probleme schon mein Leben?
Auswahlkriterien für die geeignete Diagnosestelle
Wichtig: Ihr solltet nur solche Stellen aufsuchen die sich mit der Diagnose von ADHS auskennen und diesbezüglich auch Erfahrungen haben.Wenn Ihr unsicher seid, dann hilft auch ein telefonischer Anruf um dort näheres zu erfahren. Die Wirkung einer Medikation sollte nicht Grundlage der Diagnosenstellung von ADHS sein. Es darf nicht sein, das Ihr nach einer kurzen Untersuchung Methylphenidat verordnet bekommt mit dem Vermerk: „Wenn es wirkt, haben sie vermutlich ADS.“ Bedauerlicherweise kommt so etwas vor! Wichtig ist auch dass Ihr das Gefühl habt Ihr könnt Eurem gegenüber vertrauen. Solltet Ihr dieses Gefühl gänzlich vermissen, dann liegt es an Euch diesen Punkt entweder anzusprechen und zu klären oder evtl. eine andere Stelle zu suchen. Die Diagnose beinhaltet nicht ein kurzes Gespräch und dann wird verschrieben. Deshalb solltet Ihr beim Erstgespräch grundlegend informiert werden welche Untersuchungen die Diagnose dort enthält. ADHS Diagnostik ist bisher immer noch eine Ausschlussdiagnostik(Differentialdiagnostik). Anders geht es nicht, lasst Euch dahingehend keine Märchen aufbinden! Mögliche andere Krankheiten die evtl. berücksichtigt und ausgeschloßen werden müssen: - Depressive und bipolare Störungen
- Angststörungen
- Suchterkrankungen
- Lernstörungen insbesondere Schreib- und Leseschwäche
- Psychotische Erkrankungen und Entwicklungsstörungen
- Zwangsstörungen
- Persönlichkeitsstörungen
- Tic-Störungen
- Hypo- und Hyperthyreoidismus
- Schlafstörungen(Schlaflabor Diagnostik)
- Erberkrankungen (Chromosomale Störungen wie z.B. Klinefelter-Syndrom )
- Hirnverletzungen / Traumata
Die Diagnose sollte sich primär an die diagnostischen Kriterien des DSM-i.V. halten.
Eigenanamnese
Dabei werden Schilderungen der Familiengeschichte, Beschreibungen der Entwicklung des Betroffenen einbezogen. Zeugnisse, Lebensläufe, handschriftliche Notizen werden auch mit in die Diagnostik eingebunden.
Zur Differenzialdiagnose gehören Fragen nach den Familienverhältnissen, z. B. Konflikte, Erziehungsprobleme, evtl. auch ausgelöst durch vorliegendes ADHS der Eltern, Trennung, Misshandlung, schwerer Erkrankung der Eltern aber auch nach dem sozialen Umfeld, nach Missbrauch von Alkohol, Medikamenten und Drogen wird gefragt. Die Diagnose und Behandlung sollte andere Personen einschließen, die auch Fremdbeurteilungen geben können(Partner, Eltern, Geschwister). Evtl. auch Vorgesetzte.
Psychologische Untersuchungen
Entwicklungs- und Intelligenztest Persönlichkeitsstruktur Fähigkeit zur Daueraufmerksamkeit testen (Konzentration) hierzu werden in der Regel auch computergestützte Tests durchgeführt.
Notiert Euch vor dem Abschlussgespräch noch anfallende Fragen und lasst Euch genau erklären was Ihr nicht verstanden habt! Werden Therapievorschläge gemacht, fragt was exakt therapiert werden soll und wie Ihr zu Hause mitarbeiten könnt.
Die Therapievorschläge sollten multimodale Inhalte umfassen. Also nicht alleine die Medikation sondern auch Konzepte zur Förderung der täglichen Struktur und positiven Verhaltensänderung. Dazu ist eine verhaltenstherapeutische Behandlung oft zwingend erforderlich und angeraten.
Klaus Sch. 2008 (Team ADHS-Andersweltforum)
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