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 ADHS bei Kindern, Jungen und Mädchen Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom.
ADHS ist keine moderne Zivilisationskrankheit, sondern tauchte schon vor mehr als 100 Jahren auf. 1848 beschrieb der deutsche Nervenarzt Heinrich Hoffmann das "Zappel-Philipp-Syndrom" im Struwwelpeter: "Er gaukelt und schaukelt, er trappelt und zappelt auf dem Stuhle hin und her...", so ein Auszug aus der Geschichte. Der englische Kinderarzt George Still sprach 1902 in Vorlesungen von einem "Defekt in der moralischen Kontrolle bei Kindern" ("defect of moral control in children").
Mehr Jungen als Mädchen haben ADS oder ADHS Etwa fünf bis sechs Prozent aller Kinder in Deutschland seien von ADS und ADHS betroffen, schätzt die Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte. Ähnliche Zahlen werden auch aus anderen Ländern berichtet. Jungen sind deutlich häufiger betroffen als Mädchen, allerdings zeigt sich ADHS bei Beiden unterschiedlich: Bei Jungen steht meist die Hyperaktivität im Vordergrund ("Zappel-Philipp"), während Mädchen eher die Träumerchen sind. Es ist deshalb auch möglich, dass ADHS bei Mädchen seltener und wenn oft spät erkannt wird. Bei bis zu zwei Drittel der Betroffenen verschwinden die Symptome nicht, sondern bleiben bis ins Erwachsenenalter bestehen.
Schlechte Filterleistung
Forscher gehen heute davon aus, dass eine gestörte Signalübermittlung im Gehirn die Ursache für die Erkrankung ist. Früher wurden ungünstige Erziehung, Sauerstoffmangel bei der Geburt oder falsche Ernährung als Auslöser vermutet. Eine wichtige Rolle spielen die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin, deren Stoffwechsel gestört ist. Beide Substanzen sind für Aufmerksamkeit, Antrieb, Emotionen und Motivation wichtig. Bei ADHS-Kindern übertragen diese Neurotransmitter die Informationen zwischen den Gehirnzellen nur eingeschränkt.
Permanent dringen neue, ungefilterte Informationen in das Gehirn, weil die Signale im Gehirn nicht ausreichend gehemmt werden. ADHS Betroffene fällt es deshalb schwer, sich zu konzentrieren und zu motivieren. Auch der Abgleich von eingehenden Informationen und bestehenden Erfahrungen gelingt oft nicht. Sie haben große Schwierigkeiten, Handlungen vorausschauend zu planen.
Aber auch das Lebensumfeld hat einen verstärkenden Einfluss. Beengte Wohnverhältnisse, die Schule / der Kindergarten, die Erziehungshaltung der Eltern (z.B. mangelnde Zuwendung oder fehlende Struktur und Konsequenz) und zu wenig Bewegungsmöglichkeiten, wirken ungünstig und können die ADHS Symptome verstärken.
ADHS - Ja oder nein?
Nicht jeder kleine Wirbelwind leidet unter ADHS. Die Arbeitsgemeinschaft ADHS hat deshalb genaue Kriterien zur Diagnose von ADHS entwickelt. Wichtig ist es, andere Erkrankungen auszuschließen. Abzugrenzen sind auch altersgemäße Verhaltensweisen in bestimmten Entwicklungsphasen. Mindestens sechs der folgenden Symptome von Unaufmerksamkeit müssen seit wenigstens sechs Monaten oft auftreten:
- Beachtet Einzelheiten nicht genau oder macht Flüchtigkeitsfehler
- Hat Mühe, sich längerfristig zu konzentrieren
- Scheint nicht zuzuhören, wenn direkt angesprochen
- Führt Anweisungen nicht vollständig aus oder beendet Aufgaben nicht
- Hat Mühe, Aufgaben und Tätigkeiten planvoll abzuwickeln.
- Übernimmt nur ungern, vermeidet oder verweigert Aufgaben, die anhaltende Konzentration erfordern
- Verliert Dinge wie Spielzeug oder Hausaufgabenhefte, die für bestimmte Aufgaben notwendig sind
- Wird leicht durch unwesentliche Reize abgelenkt.
- Ist vergesslich bei Alltagstätigkeiten, impulsiv, Unfallgefährdet
Ein ADS / ADHS kann auch vorliegen, wenn mindestens sechs der folgenden Symptome von Hyperaktivität-Impulsivität oft und seit wenigstens sechs Monaten auftreten und sie nicht Merkmale einer altersgemäßen Entwicklung sind: - Zappelt oder kippelt mit dem Stuhl
- Ist beim Spielen häufig richtig laut
- Verhält sich unruhig wie von einem Motor angetrieben
- Spricht übermäßig viel, gibt ständig Geräusche von sich (pfeifen, zischen, brummen)
- Hat Mühe zu warten, bis er/sie an der Reihe ist, platzt vorschnell mit Antworten heraus
- Unterbricht oder stört andere bei Unterhaltungen oder Spielen
Weitere Hinweise auf ADS oder ADHS sind:
- Einige Symptome waren bereits vor dem siebten Lebensjahr vorhanden.
- Sie treten nicht nur zuhause oder in der Schule
- Sie führen zu einer deutlichen Beeinträchtigung im sozialen, Lernleistungs- oder beruflichen Bereich.
Träumsuse oder Zappelphilipp
ADHS zeigt sich nicht bei jedem Menschen in der gleichen Form und Ausprägung. Bei manchen steht beispielsweise die Unruhe im Vordergrund, bei anderen die Unaufmerksamkeit. Prinzipiell teilt man ADHS in drei verschiedene Untergruppen ein:
- Vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ: "Zappelphilipp"
- Vorwiegend aufmerksamkeitsgestörter Typ: "Träumsuse" (häufiger bei Mädchen )
- Misch-Typ: aufmerksamkeitsgestört und hyperaktiv
Die Symptome sind je nach Alter sehr unterschiedlich. So ist es durchaus normal, wenn sich ein dreijähriges Kind schlecht konzentrieren kann. Bei einem Siebenjährigen wäre dieses Symptom aber auffällig.
ADHS im Säuglingsalter:Unerklärliche langdauernde Schreiphasen, motorische Unruhe, Ess- und Schlafprobleme, Ablehnung von Körperkontakt, Misslaunigkeit. Überstreckung des Körpers mit hohem Muskeltonus, reagieren heftigst auf Veränderungen, oder Unruhe. ADHS beim Kleinkind:(einschließlich Kindergartenalter): Plan- und rastlose Aktivität, häufige und unvorhersagbare Handlungswechsel, geringe Ausdauer bei Einzel- und Gruppenspiel, ausgeprägte Trotzreaktionen, unberechenbares Sozialverhalten, Teilleistungsschwächen beim Hören, Sehen, Fein- und Grobmotorik, vermehrte Unfallgefährdung, auffallend früher Spracherwerb oder verzögerte Sprachentwicklung, keine beständigen Freundschaften, Stimmungsschwankungen, jedoch extrem auffallende Ausdauer bei interessanten Beschäftigungen
ADHS im Grundschulalter:Mangelnde Regelakzeptanz in Familie, Spielgruppe und Klassengemeinschaft, Stören im Unterricht, wenig Ausdauer, starke Ablenkbarkeit, emotionale Instabilität, geringe Frustrationstoleranz, Wutanfälle, aggressives Verhalten, grobes Schriftbild ( verkrampfung der Hand beim Schreiben), chaotisches Ordnungsverhalten, andauerndes Reden, Geräuschproduktion, überhastetes Sprechen, unpassende Mimik, Gestik und Körpersprache, Ungeschicklichkeit, häufige Unfälle, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Lern-Leistungsprobleme mit Klassenwiederholungen, Umschulungen, keine dauerhaften sozialen Bindungen, Außenseiter, niedriges Selbstbewusstsein.
Team ADHS-Andersweltforum 2006
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